Playoff-Final: Gossau - Cazis, wie vor zwei Jahren?

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Bereit für den Final: Die Routiniers Capatt (11) und Keller (38). Hinten der legendäre Björn Söderberg (5)
Bereit für den Final: Die Routiniers Capatt (11) und Keller (38). Hinten der legendäre Björn Söderberg (5) (Bild vom Playoff-Final 2014 in Chur)

Dass es dann zwei so klare Resultate - Lengnau vs. Gossau 5:15 und Cazis vs. Kappelen 16:7 - geben sollte, hat wohl dann nicht nur die visionären Experten von der «Südostschweiz» überrascht! Immerhin waren in den Playoff-Halbifinals die «Big Four» der nationalen Kleinfeldszene unter sich und nach den ersten Aufeinandertreffen - Cazis entschied eine ganz enge Partie in Aarberg schliesslich mit einem Empty Netter zum 14:12 und bei Gossau gegen die weissen Pferde aus Lengnau musste gar das Golden Goal durch Voegtli in der Verlängerung die Entscheidung zugunsten der Zürcher bringen - durften durchaus enge und spannende Rückspiele erwartet werden.

Noch vor Beginn der Playoffs sprachen alle vom Kronfavoriten Kappelen, welches die Regular Season gleich mit 18:0 «sweepte», im Ligacup mit Gossau und Lengnau zwei Topshots eliminierte und schliesslich auch den Ligacup-Final gegen Nuglar für sich entscheiden konnte. Aber damit schien die Luft draussen zu sein. Die Playoff-Viertelfinals gegen Wild Goose Gansingen überstanden die Seeländer zwar mit 2:1, aber die Niederlage gegen die Aargauer nahm den Kappelern den Nimbus der Unbesiegbarkeit.

Cazis auf der anderen Seite haderte nach Abschluss der Regular Season mit den dicken Brocken - Nuglar und Kappelen - , die auf sie in den Playoffs warten sollten. «Wir hätten besser das letzte Spiel in der Meisterschaft verloren und auf das Heimrecht verzichtet», war eine nicht ernst gemeinte Theorie auf der Bündner Seite. Nuglar ist nämlich spätestens seit dem Ligacup-Aus im Viertelfinal so etwas wie der Angstgegner und Kappelen galt ohnehin als Branchen-Leader. Dass diese im Viertelfinal gegen Gansingen allenfalls stolpern könnten, war gar nie ein Thema. Doch die Steinböcke stellten sich den Aufgaben, drehten gegen Nuglar nach der Heimniederlage in Flims eine Zusatzschlaufe und erkämpften sich in Aarberg einen ersten Matchball für die Finalqualifikation.

Diese wurde dann in der LUST in Maienfeld - wie es die «Südostschweiz» vorausgesehen hatte - Tatsache. Zwar lagen die Steinböcke nach 20 Minuten mit 3:5 zurück, was normalerweise gegen Kappelen nach dem ersten Drittel kein schlechtes Resultat ist. Das zweite Drittel war dann aus Cazner Sicht erste Sahne. Mit 7:1 wurde der aktuelle Ligacupsieger und noch amtierende Meiste richtiggehend abgewatscht. 10:6 für Cazis wäre an und für sich für eine Mannschaft mit den Qualitäten von Kappelen noch nicht der Untergang. Aber wer die Körpersprache der Seeländer gesehen hatte, als sie ihre Kabinen zum letzte Drittel verliessen, wusste gleich, dass der Match entschieden war. Und so war es. Die Blau-Gelben spielten das Ding souverän nach Hause und stehen zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte im Playoff-Final, wo wie vor zwei Jahren Gossau wartet.

Die Zürcher Oberländer ihrerseits eliminierten im Playoff-Halbfinal schon zum wiederholten Mal White Horse Lengnau. Die Zürcher fuhren nach dem knappen Sieg in der Verlängerung gegen Lengnau im ersten Spiel mit gemischten Gefühlen in den Aargau aber mit der festen Absicht, kein drittes Spiel bestreiten zu müssen. Denn die Aussicht, wegen einer allfälligen Belle auf die Pferderennen in Fehraltorf zu verzichten, wäre bei diversen Gossauern schlecht angekommen. Zudem sollte die Geburtstagsparty von «CR7» nicht durch Unihockey gestört werden und schliesslich hätte die Aargauer Rüeblitorte am Ostersonntags-Brunch nach einer Niederlage im Aargau nur halb so gut geschmeckt! Genug Gründe um Vollgas zu geben! Wie Cazis boten auch die Gossauer im zweiten Drittel grosses Kino und stellten die Weichen mit einem 6:1 auf Richtung Final. Die Effizienz des Rekordmeisters in dieser Phase war schon beinahe meisterlich. Das letzte Drittel spielten die Rekordmeister gekonnt herunter und Endingen bedeutete für einmal für Lengnau das Ende.

Dass es der 11. Final in Serie ist, ist schon bemerkenswert. Aber Gossau hat den Braten gerochen und will sich mit dieser Rekordmarke nicht zufrieden geben. Auch wenn schon 7 Meisterkübel im Trophäenschrank stünden, soll es für den achten noch genügend Platz haben, ist die einhellige Meinung der Beteiligten. Aber trotz der reichgefüllten Trophäenkammer und trotz angeblich genügend Platz für den nächsten Kübel bleibt nach Stellungnahmen der namhaftesten Experten die Favoritenrolle bei den Bündnern. Sie reiten momentan scheinbar unantastbar auf einer Welle, von welcher sie nicht einmal der Noch-Schweizermeister abbringen konnte. Sie haben das deutlich breitere Kader und keine Verletzten, einen mit allen Wassern gewaschenen Coach, ja sogar der Mann am Liveticker ist unschlagbar, und vor allem, sie haben Hunger auf den ersten Titel. Die Gossauer müssen sich auf jeden Fall noch etwas ganz Spezielles einfallen lassen, wollen sie dieses Jahr ihren achten Meisterpokal stemmen. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ihnen auch das gelingen würde.