Leider nein!

Liga-Cup
Cupfinal 2016

«Die Red Devils haben den Sieg mehr gewollt, als wir», war eine der Erklärungen nach dem Spiel, andere monierten mangelndes Glück. Ein Spassvogel meinte sogar, man müsste einfach die 4. Minute des ersten Drittels und die 4. Minute des zweiten Drittels herausschneiden und dann hätten die Gossauerinnen 5:4 gewonnen... Nun, so einfach war es jedoch auch wieder nicht, denn am Ende musste neidlos eingestanden werden, dass die Schwyzerinnen an diesm Tag einfach das bessere Team waren.

Das Spiel begann eigentlich wie geplant. Andrea Eglauf gewann - wie gewohnt das Bully - und die Gossauerinnen hatten Ballbesitz, lancierten einen Angriff und scheiterten. Der Ballbesitz wechselte und Defensiv-Arbeit war angesagt. Die Gossauerinnen reagierten nervös und und ungewohnt fehlerhaft. So erstaunte es nicht, dass in der vierten Minute ein harmolser Roller den Weg zwischen den Hosenträgern von Sereina Bolliger ins Tor fand und ein halbe Minute später nach absolut ungenügendem defensivem Verhalten schon das 0:2 kassiert werden musste. Als dann noch vor Ablauf der ersten Hälfte des ersten Drittels das 0:3 mit einem Horrorfehlpass der hintersten Frau (der Speaker meldete «ohne Assist»...) den Schwyzerinnen auf dem Silbertablett offeriet wurde und diese das Geschenk dankend annahmen, versuchte Coach Leimbacher mit einem Goaliwechsel seine Frauen wachzurütteln. «Hallo, meine Damen, es ist Cupfinal!» Klar, das 0:1 hätte Bolliger verhindern müssen und den Ball, welcher zum 0:2 einschlug, hätte sie halten können, wie sie in unzähligen vorangegangenen Partien schon mehrmals bewiesen hatte, aber es wäre falsch, den Fehlstart der Gossauer Torfrau allein in die Schuhe zu schieben. Immerhin die Massnahme hatte Wirkung. Nadja Seitz - sie hätte auch als Bestplayer gewählt werden können - war sofort bereit, liess vorerst nichts mehr zu und tatsächlich gegen Ende des ersten Drittels konnte zunächst Tabea Arnold und dann Andrea Eglauf mit einem herrlichen Schuss ins Dreieck auf 2:3 verkürzen. Der Horrorfehlstart war damit beinahe kompensiert und die mitgereisten Gossauer waren zuversichtlich, dass nach den richtigen Worten in der Kabine sich das Blatt noch wenden würde. Umso mehr als die Equipe gegen Ende des Drittels deutlich stabiler war, als noch zu Beginn.

Die Gossauerinnen begannen das zweite Drittel wie sie das erste beendet hatten. Ein weiterer Knaller von Andrea Eglauf - der Torschrei war schon auf den Lippen - prallte von der Lattenunterkante ab und beinahe im Gegenzug erhöhten die Teufelinnen auf 2:4. Die Zürcher Oberländerinnen vom Schock noch nicht erholt kassierten kurz darauf das 2:5 und man war wieder dort, wo man nach dem Horrorfehlstart war. In der Folge war das Bemühen durchaus sichtbar, den Rückstand erneut aufholen zu wollen, aber mit der Brechstange funktioniert das in den seltesten Fällen. Einzelaktionen und Abschlüsse zur Unzeit konnten nichts Zählbares bringen und so war das 2:6 - die Schwyzerinnen zeigten, wie einfach es ginge - die logische Folge davon.

Nein, das Resultat am Ende des zweiten Drittels war kein Aufsteller. War das schon die Vorentscheidung? Ein Wunder hätte geholfen und - immerhin das Herrenteam lag vor zwei Jahren bei ihrem letzten Cupsieg gegen Kappelen nach zwei Dritteln mit 3:6 hinten - die Daueroptimisten unter den Zürcher Anhängern glaubten an das Wunder...

Tanja Herrmann mit dem dritten Tor gab dann der Hoffnung zusätzliche Nahrung und als kurz darauf Gossau sogar eine Powerplay-Chance erhielt, glaubten nicht mehr nur die Daueroptimisten an das Wunder. Aber es ging wieder in die andere Richtung. Das Powerplay war ungenügend, Chancen ergaben sich kaum und die Devils überstanden die Strafe unbeschadet. Was mit einem Powerplay angefangen werden kann, zeigten die Schwyzerinnen etwas später. Das 3:7 und kurze Zeit später das 3:8 durch die überragende Désirée Holdener knickte die letzten Hoffnungen. Zwar legten die Zürcherinnen noch einen Endspurt aufs Parkett, aber es gelang nur noch ein brutales Resultat in ein einigermassen erträgliches zu verwandeln.

Tja, es hat wieder nicht geklappt. Wir gratulieren den Red Devils zum verdienten Cupsieg. Die Damen vom UHCevi Gossau gaben ein seltsames Bild ab. Wer die Mannschaft kennt, vermisste das Feuer in den Augen und den unbedingten Siegeswillen. Selbst dem langjährigen 1.-Liga Präsidenten Joe Stöckli fiel das auf und er meinte, dass man den Damen endlich sagen solle, dass das Spiel, das sie da unten bestreiten, der CUPFINAL sei. Lukas Leimbacher, unterstützt vom Herren Coach Adi Vollenweider, stand ja nicht zum ersten Mal im Cupfinal. Beide wissen wie man Cupsieger wird und werden zweifellos bestätigen können, dass die Komfortzone verlassen werden muss, dass nur 200%iger Einsatz als gäbe es kein Morgen reicht und das innerer Feuer nicht nur brennen sondern lodern muss. So kann es aufgehen und dann haben die Gegnerinnen den Sieg nicht mehr «mehr gewollt».

Genau so soll es in den kommenden Playoffs sein, denn lange haben die Damen nicht Zeit, die Wunden zu lecken. Am kommennden Samstag geht es schon weiter mit den Playoff-Viertelfinals gegen den UHC Bevaix. Immerhin sei statistisch noch festgehalten, dass das Damen I das letzte Drittel im Cupfinal gewonnen hat und mit fünf Treffern noch in keinem ihrer fünf Cupfinals häufiger getroffen hat.

Bilder zum Spiel gibt es u.a. beim Zürcher Oberländer. Auch den Bericht im gleichen Publikationsorgen wollen wir euch nicht vorenthalten. Und schliesslich gibt es auf Youtube noch einen Highlight-Clip:

UHCevi Gossau – R. D. March-Höfe Altendorf 5:8 (2:3, 0:3,3:2)
Wankdorfhalle, Bern. – 631 Zuschauer. – SR Martin Ramseier.
Tore: 03:14 Erzinger (Gmür) 0:1, 03:48 Ziltener (Heller) 0:2, 08:59 Theiler 0:3, 16:53 Arnold (Egli) 1:3, 19:04 Eglauf 2:3;
22:29 Gmür (Spaargaren) 2:4, 24:31 Gmür 2:5, 36:23 Ziltener (Holdener) 2:6;
44:09 Herrmann (Brecher) 3:6, 51:59 Holdener (Erzinger) 3:7 (PP), 54:17 Holdener 3:8, 57:11 Tanner (Koller) 4:8, 58.15 Brecher 5:8.
Strafen: UHCevi Gossau 1-mal 2 Minuten (Brecher), Red Devils 1-mal 2 Minuten (Holdener).
UHCevi Gossau: Bolliger (ab 9. Seitz); Brecher, Koller, Eglauf; Herrmann, Arnold, Egli; Guillod, Ulrich, Tanner, Marty, Stettbacher.
Red Devils: Kompein; Spaargaren, Holdener, Theiler, Ziltener, S. Gmür, Erzinger, Heller, M. Gmür, Wirz, Rhyner. Grab, Keller, Kühne.
Bemerkungen: 58:15 Timeout Red Devils; Bestplayer: Melanie Egli (Gossau), Désirée Holdener (Red Devils)