Klar freute man sich beim UHCevi Gossau am Schluss der letzten Saison über drei von vier möglichen Titeln, aber wie man den vierten verfehlte ärgerte doch auch. Verloren hatte man diesen vor knapp einem Jahr im Ligacup-Halbfinal gegen die Red Devils aus Altendorf. Und eine Ligacup-Partie gegen einen ähnlich starken Gegner stand wieder auf dem Programm und man wollte es selbstredend besser machen als vor Jahresfrist. Aber eine leichte Aufgabe war es beileibe nicht, denn die Gegnerinnen von Floorball Albis waren mindestens auf dem Papier ein ganz harter Brocken. Sie waren ausgezeichnet in die Saison gestartet und haben einen richtigen Lauf, haben sie doch von acht Spielen neben einem Unentschieden sieben gewonnen.Die Tabelle der Gruppe 3 führen sie überlegen an und sind auf direktem Playoff Kurs. Zwar sind auch die Gossauerinnen erfolgreich in die aktuelle Saison gestartet und liegen auch mit nur einem Verlustpunkt an der Tabellenspitze, aber angesichts der Stärke der Gegnerinnen konnte man keine Favortienrolle verteilen. Auch der vermeintliche Vorteil des Heimspiels relativierte sich bald einmal, als man die stattliche Fangruppe aus dem Säuliamt sah, die eigens mit einem Car hergereist war.
Floorball Albis versuchte sofort die Initiative zu ergreifen und hatte zu Beginn eher mehr Ballbesitz zu verzeichnen. Gossau hatte aber einen Blitzstart der Albisserinnen erwartet, blieb in der Defnesive konzentriert und lauerte auf Konter. Ein solcher führte nach gut vier Minuten durch Andrea Eglauf zu 1:0 Führung. Die Freude dauerte aber gerade einmal eine halbe Minute und der Ausgleich musste hingenommen werden. Und noch vor Ablauf der ersten 10 Minuten waren dei Säuliämtlerinnen zunächst mit einem Buebetrickli und dann mit einem Ball der nur knapp über die Linie rollte erfolgreich. Schiedsrichter Fahrni stand bei diesem Treffer sehr gut und entschied sofort auf Tor. Und dann kam es knüppeldick. Weitere sieben Sekunden später stand es gar 1:4. Den Anhängern der Zürcher Oberländerinnen wurde es Angst und Bange und manch einer hätte erwartet, dass Coach Leimbacher sein Timeout nehmen würde. Aber die Damen hatten selbst begriffen, was es geschlagen hatte und strebten nun nach dem Anschlusstreffer. Und wie das oft so ist, wenn man Tore mit Gewalt oder der Brechstange erzielen will, kommt noch das Pech dazu und eine ausgezeichnete Torhüterin auf der Gegenseite. Klar, wurde der Abschluss aus den unmöglichsten Positionen gesucht und ein Scheitern war meistens voraussehbar. Immerhin passierte auch hinten nichts mehr, sodass man mit einer 1:4 Hypothek in die erste Pause gehen konnte.
Was Coach Leimbacher seinem Tea, predigte, ist nicht überliefert. Das «Wort zum Sonntag» war es bestimmt nicht. In der VIP-Lounge huldigte man dem Zweckoptimismus, indem man erwähnte, dass schon am 8. März im Playoff Viertelfinalspiel man nach dem ersten Drittel mit drei Toren im Rückstand lag und am Ende nocht 13:7 gewann.
Gespannt war man nun auf das zweite Drittel, in welches die Gossauerinnen nun ganz anders auftraten. Zudem steigerte sich auch Torhüterin Seitz in einen wahren Spielrausch und sorgte für den nötigen Rückhalt. Und plötzlich fielen auch die Tore! Bis zur 28. Minute wurde aus dem 1:4 ein 4:4 und die Welt sah dochschon wieder viel freundlicher aus, als Schiedsrichter Fahrni knapp vor Spielhälfte einen Penalty für Gossau pfiff. Pia Eugster übernahm die Ausführung und verwertete eiskalt zur 5:4 Führung. Aber dann bekamen auch die Kontrahentinnen einen Penalty zugesprochen. Doch bei Gossau wahr Nadia Seitz hellwach und entschärfte diese kritische Situation brillant. Damit war zwar das Gröbste abgewehrt, doch die gefährliche Situation noch nicht vorbei. Sabrina Schletti musste auf der Strafbank Platz nehmen und in Unterzahl sollten die ungestümen Angriffe abgewehrt werden. Lange ging das zwar gut, doch 20 Sekunden vor Ablauf der Strafe gelang der Ausgleich, bei dem auch die Gossauer Torfrau absolut machtlos war. Das Spiel konnte von Neuem beginnen und auf die eine oder andere Seite kippen, denn man hatte den Eindruck, dass die - zwar erfolgreiche - Aufholjagd Kräfte gekostet hat und Albis wieder mehr aufkam. Aber wie gesagt, man hatte ja noch Nadia Seitz zwischen den Pfosten und plötzlich zirkulierte der Ball in den Gossauer Reihen wie in den besten Tagen. Die Abwehr von Floorball Albis wurde derart schwindlig gespielt bis Flurina Kuhn gar nicht anders konnte, als den Ball über die Linie zu schieben. 6:5 für Gossau und so blieb es bis zum Drittelsende.
Nun kamen beim Tee wieder die Statistiker zum Zug, die genau wussten, das beim besagten Viertelfinal-Playoff-Spiel im März genau die gleiche Aufholjagd stattgefunden habe und man auch dannzumal mit einer Ein-Tore-Führung ins letzte Drittel gestiegen sei. Nun, die Diskussionen waren zwar entspannter, als nach dem ersten Drittel, aber noch war gar nichts in trockenen Tüchern.
Coach Leimbacher musste seinen Damen eingeprägt haben, dass man dem Ball Sorge tragen sollte, keine übereiligen Abschlüsse suchen soll. Dies setzten die Damen zu Beginn des Drittels, in welchem nun Sereina Bolliger, die sich gleich mehrmals auszeichnen konnte und nahtlos an die Leistung von Nadia Seitz anknüpfte, den Platz zwischen den Pfosten einnahm, perfekt um und so mussten die Zuschauer lange auf eine Änderung auf dem Scoreboard warten. Man spürte, dass das 7:5 eine Vorentscheidung sein könnte und tatsächlich, keine fünf Minuten vor dem Ende jubelte Flurina Kuhn über das 7:5, was den Coach der Albisserinnen bewog, sein Timeout zu nehmen. Das 4:3 ermöglichte zwar eine Feldüberlegenheit, aber Zählbares gab es nichts zu notieren. Im Gegenteil, Tanja Herrmann nützte einen Fehler aus und realisierte den Empty Netter zum 8:5 und als 10 Sekunden später Flurina Kuhn zum 9:5 nachdoppelte schien der Mist geführt. Da waren aber die Damen aus dem Säuliamt anderer Meinung und realisierten innerhalb von nur 7 Sekunden zwei Treffer. Sollte es noch einmal spannend werden? Die Frage beantwortete Andrea Eglauf mit dem 10:7. Die letzten Minuten wurden darauf souverän heruntergespielt und der Halbfinal-EInzug war Tatsache.
An Weihnachten und Naujahr noch im Ligacup dabeizusein, lautete ein Saisonziel das damit erreicht worden ist. Im Ligacup ist man nun mindestens gleich gut wie in der letzten Saison und es scheint noch vieles möglich zu sein. Vom Wankdorf ist man nur noch einen Sieg entfernt. Trotzdem ist neben viel Licht auch noch Schatten vorhanden. Das wissen die Damen aber am Besten und sie werden daran arbeiten. Wir freuen uns jedenfalls auf die nächsten Auftritte unseres Damen I.
