Erstaunlich viele Zuschauer wollten sich den ersten Auftritt der Doublegewinnerinnen aus Gossau nach den Playoff-Final-Spielen nicht entgehen lassen. Zudem stand mit den Floorball Riders ein hoch interessanter Gegner auf dem Programm und letztlich haben Derbys immer eigenen Gesetze. Die KLeinfeldequipe der Riders hat in der vergangenen Spielzeit souverän den Aufstieg in die oberste Spielklasse geschafft, ist zu dem gespickt mit vielen bekannten Gesichtern, die Grossfeld-Team national Spitzenklasse repräsentierten. So war man gespannt, wie sich die spielstarken und routinierten Grossfeldcracks auf dem Kleinfeld metzgen würden. Dass sie gleich auf die Titelverteidigerinnen stossen würden, war Motivation genug.
Das Spiel begann so, wie man es erwartet hatte, nämlich zäh. Aber schon nach gut vier Minuten gerieten die Cupholderinnen in Rückstand und man befürchtete, dass die Mission für Gossau kompliziert werden würde. Umso mehr, als dass die Dürntnerinnen hart zur Sache gingen und mit viel Einsatz um jeden Ball kämpften. Die erste Bewährugnsprobe gab's dann kurz darauf, als Schiri Schmocker einen Penalty für Gossau pfiff. Melanie Egli versenkte eiskalt und souverän und als Sabrina Schletti nach zehn Minute ihre Farben zum ersten Mal in Führung brachte, wurden die Nerven erst einmal beruhigt. Die Gossauerinnen nahmen nun mehr und mehr Fahrt auf und waren nun edngültig warmgespielt. Ein Doppelschlag durch Andrea Eglauf und Lara Guillod brachte das 4:1. Eine Powerplay-Situation kurz vor Drittelsende wurde leider nicht ausgenützt, sodass die Spannung beim ersten Tee (den gab es nur für die Akteurinen, nicht aber für die Zuschauer...) noch einigermassen erhalten blieb.
In der stickigen Halle wurde es immer heisser und es liessen sich partout keine Fenster öffnen. Es litten alle, Spielerinnen, Trainer, Schiedsrichter und Zuschauer und einer meinte gar, man sollte die Halle gleich abbrechen und durch eine anständige Dreifachhalle ersetzen...
Kurz bevor man die Halle abbrechen wollte, begann das zweite Drittel mit einem Donnerschlag, bzw. einem Doppelschlag durch Neo-Captain Sharon Ulrich und die an diesem Abend alles überragende Flurina Kuhn. Mit 6:1 war natürlich so etwas wie eine Vorentscheidung gefallen, umsomehr, als die Riders ihre zweite Strafe nahmen und die Gossauerinnen Gelegenheit erhielten, im Powerplay zu zeigen, dass sie es doch noch können. Und es war dann auch Flurina Kuhn, die ein herrliches Tor erzielte. Schiedsrichter Schmocker stand aber so unglücklich, dass er nicht sah, was viele gesehen haben. Und was der Schiri nicht sieht, darf er auch nicht pfeifen, sodass der Treffer nicht zählte. Mit der letzten Sekunde der Zweiminutenstrafe traf dann aber Seraina Kilchsperger doch noch und die Experten stritten sich, ob das nun als Powerplay-Tor in die Statistik eingehen soll, oder ob der Treffer nach Ablauf der Strafe erzielt worden sein. Nun, so wichtig ist das auch wieder nicht. Bei Hälfte des Spiels stand es 7:1 und bei diesem Stand war die SPannung weg, ja man verzieh sogar das stickige Klima in der Halle... Mit einem Holtertipolter-Tor meldeten sich dann die Riders zurück, was aber umgehend mit dem 8:2 durch Flurina Kuhn auf einen blitzschnellen Pass von Benji Bolliger und dem 9:2 durch Sibylle Tanner bestraft wurde. Bis zur zweiten Drittelspause schlug es noch auf beiden Seiten je einmal ein zum 10:3.
Auf den Zuschauer-Stehrampen war man sich einig. Die Kuh war gemolken und der Mist geführt. Man wollte gar wissen, dass das letzte Drittel wahrscheinlich mit 7:7 oder ähnlich ausgehen würde. Soweit kam es aber nicht. Gossau musste nicht und Dürnten konnte nicht mehr und es wurden hüben wie drüben noch ein paar Tore erzielt. Erwähnenswert Andrea Benz, die Benji Bolliger mit einem Buebetrickli(!) erwischte oder Flurina Kuh, die mit ihren persönlichen Treffern 3,4 und 5 - einer schöner als der andere - sich in eine günstige Position auf der Jagd nach «Otti» brachte.
14:6 stand es am Schluss für die Titelverteidigerinnen. Das Ergebnis war sicher klarer als man erwarten durfte. Es zeigte sich einmal mehr, dass Gross- und Kleinfeldunihockey zwei verschiedene Sportarten sind. Das gestand auch der Grossfeld-Schiri Schmocker ein, der den Kameraden vermisste. Spielstarke Einzelspielerinnen vom Grossfeld ergeben nicht zwingendermassen ein gut eingespieltes Kleinfeld-Team. Die Automatismen in der Equipe der Cupsiegerinnen funktionierten für den frühen Saisonzeitpunkt schon recht gut auch wenn - gerade im Powerplay - noch durchaus Luft nach oben vorhanden ist. Vielleicht haben gewissen Experten ein wenig übertrieben, als sie vor dem Spiel behaupteten, dass der Sieger aus dem Zürcher Oberländer Derby im Cupfinal stehen würde. Auf die Bemerkung des Schreibers, dass dieser am 1. März stattfinden würde, antwortete Seraina Kilchsperger spontan, dass sie dieses Datum in der Agenda bereits vorgemerkt habe... Soweit ist es noch nicht und in der nächste Runde geht es gegen die Greenlights aus Richterswil. Die grünen Lichter wurden dieses Jahr zwar in den Playoff-Viertelsfinals ausgeknipst, aber allein die Tatsache, dass sich Richterswil für die Playoffs qualifizieren konnte, zeigt, dass auch der nächste Gegner sehr ernst zu nehmen sein wird.
Geschrieben von Martin Keller
