Doppelpack zum Finalauftakt

Playoff
Bruno Koch (13) gegen die Youngsters Wintsch (55), Walther (39) und d'Hooghe (11)

Um 16:30 kreuzen die Herren die Klingen mit den Bündner Steinböcken aus Cazis und um 20:00 kommt es zur Wiederholung des letztjährgien Damen-Playoff-Finals zwischen Gossau und dem UHC Tafers-Schmitten. Und das ist jetzt kein Aprilscherz mehr!

Vor allem das Duell der Herren gibt im Vorfeld schon  viel Gesprächsstoff. Während die Heinzenberger zum ersten Mal bis in den Playoff-Final vorgestossen sind ist es bei den Gossauern bereits die 9. Final-Qualifikation, und damit sind sie in dieser Beziehung der alleinige Rekordhalter. Selbst die legendären Berner Hurricanes mit 8 Finalteilnahmen - 5 mal siegreich - liegen hinter dem Rekordmeister. Dieser Erfolgsausweis ist wohl beeindruckend und beinahe auch erdrückend verglichen mit der Vistitenkarte von Cazis. Wer aber daraus einen gigantischen Vorteil für die Zürcher ableiten will, ist schlecht beraten. Zwar ist eine gewisse Erfahrung aus zahllosen Playoff-Schlachten den Zürchern nicht abzusprechen, aber bezüglich Erfahrung stehen die ehemaligen Grossfeldcracks - mit allen Wassern gewaschenen - Capatt, Söderberg, Stegmann etc. dem Titelverteidiger in nichts nach. Und gerade die erste Finalqualifikation wird besondere Kräfte freilegen. Die Bündner sind motiviert und Aufgeben ist ein Wort, das sie schon längst aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Auch ein Fünftore-Rückstand kann aufgeholt werden. Dass dann hie und da der Einsatz überbordet ist natürlich nachvollziehbar und mit dem einen oder anderen Zweiminüter ist zu rechnen. «Übertriebene Härte» ist wohl die häufigste Begründung bei den Bündner Zweiminutenstrafen, sollte man einen Blick ins Bündner-Statistik-Buch werfen. In dieser umkämpften Partie ohne eigentlichen Favoriten wartet auf Schiedsrichter Preisig diesbezüglich keine leichte Aufgabe, aber diese wird er souverän lösen.
Cazis hatte zu Beginn der Playoffs - wie Gossau auch - Anlaufschwierigkeiten. Wie Gossau gegen Mümliswil brauchte Cazis gegen Nuglar ein drittes Spiel, nachdem die beiden ersten Heimsiege in der Verlängerung brachten. In der Höhenluft von Flims ging dann den Schwarzbuben die Luft aus und die Bündner hatten bei der Schlusssirene ein Tor mehr auf der Anzeigetafel. Im Halbfinal trafen die Cazner auf Gossaus Cupfinalgegner Kappelen und wer den Cupfinal noch vor seinem geistigen Auge hat, mit dem knappstmöglichen der knappen Ausgänge, weiss, dass das eine unheimlich harte Nuss war. Cazis knackte diese aber, auch wenn in Kappelen erneut eine Verlängerung notwendig wurde.
Gossaus Weg in den Playoff-Final war da wahrscheinlich eher einfacher. Zwar brauchte es gegen Mümliswil im Viertelsfinal zu Hause auch ein Golden Goal für den Sieg, um dann in Oensingen den Sieg nach einem Viertorevorsprung auf ärgerliche Weise wegzuwerfen... Dass das nicht mher als ein Betriebsunfall war, zeigten die Titelverteidiger in der Belle, in welcher sie den Solothurnern mit 12:4 keine Chance mehr liessen. Im Halbfinal kam es zum ewigen Duell gegen die Berner Hurricanes. Was in früheren Jahren noch das Highlight der Saison war, wurde dieses Mal vor eher stimmungsarmer Kulisse abgehalten. Vor allem im Rückspiel in Uster hatten die Berner auf dem Feld keine Chance und versuchten es dann am grünen Tisch, an welchem sie Büchelers Hybridstock in den Fokuss nahmen. Selbst die resultierende Matchstrafe gegen Bücheler und die Fünf-Minuten-Strafe, die Silvan Frank absitzen musste, war zuwenig, um den Rückstand vollständig aufzuholen. Ja, Frank blieb sogar 30 Sekunden länger draussen - wir wissen zwar nicht weshalb, wahrscheinlich um die Berner noch mehr zu ärgern... -, und auch daraus konnten die Canes keinen Profit schlagen. Sie schieden in den Halbfinals aus und man wunderte sich eher darüber, weshalb die überhaupt so weit kommen konnten.
Nun, blicken wir nach vorne. Die epischen und emotionalen Duelle sind nicht mehr Gossau - Canes sondern Gossau - Cazis. Nur zwei Buchstaben müssen ausgewechselt werden! Diese gehörten in der Regular Season stets zu den Höhepunkten und knappe Ausgänge waren garantiert. Cazis hat für Gossauer Verhältnisse in diesen Meisterschaftsbegegnungen schon unanständig viele Punkte ergattert, aber die Spiele waren stets ein Hingucker und beste Werbung für das KF-Unihockey. Das einzige Spiel über 3 mal 20 Minuten war der legendäre Halbfinal im Ligacup 2014. Die Situation drei Minuten vor Ende ist allen noch präsent, als Gossau beim stand von 9:9 einen Zweiminüter nehmen musste, Cazis den Sack nur noch zuzumachen brauchte und dann die Gossauer mit zwei Shorthandern den Kopf aus der Schlinge zogen. Da half auch das überraschende Comeback von Tom Engel, dem langjährigen Nati-Captain und Rekordinternationalen, bei den Blaugelben nicht mehr weiter. Das war ein Finale, an das wir uns gerne erinnern und uns auch am nächsten Samstag gefallen lassen würden.

Im zweiten Spiel um 20:00 Uhr kommte es zur letztjährigen Final-Reprise zwischen Gossau und Tafers. Wir hoffen sehr, dass nach dem Herrenfinal nicht gleich der Heimweg angetreten wird, sondern auch noch die Frauen in ihren Vorhaben den vierten Titel in Folge zu erringen unterstützt werden. Es bleibt zwischen den beiden Finalspielen genügend Zeit sich zu verpflegen. Tafers-Schmitten dominiert seit vielen Jahren die Gruppe 1 im Westen und damit regelmässiger Playoff-Gast. Zum Meistertitel hat es allerdings noch nie gereicht. Am nächsten dran waren sie letztes Jahr, als sie den Finalgegen Gossau erreichten, dort aber chancenlos blieben. Im Jahr 2010 allerdings gewannen sie gar den Ligacup und waren damit die Vorgängerinnen von Gossau. Der Erfolgsexpress der Gossauerinnen kam in dieser Saison erstmals etwas ins Stocken. Einerseits konnten die Abgänge von Michèle Bücheler, Barbara Luginbühl, Martina Gasner und Karin Allemann nicht vollständig kompensiert werden. Dazu kamen diverse Ausfälle, einerseits wegen Verletzungen und andrerseits wegen längerer Auslandaufenthalte, sodass gerade noch eine Rumpfmannschaft - zwar immer noch mit beachtlichen Qualitäten - zur Verfügung stand. Da durfte man sich nicht wundern, dass es dann plötzlich nicht mehr reichte und im Ligaup im Halbfinal gegen die Red Devils aus Altendorf bereits Feierabend war. In dieser Situation war dann das Comeback von Michèle Bücheler und Barbara Luginbühl mehr als willkommen. Das Team gewann dadurch wieder an Sicherheit. Der Gruppensieg wurde sichergestellt und die Playoff-Viertelfinals gegen Floorball Albis wurden souverän gewonnen. Im Halbfinal hiess der Gegner UHC Oekingen, den man aus zahlreichen Playoffs- und Ligacupfinals kennt. Der Klassiker schlechthin bei den Damen. Eine sehr hohe Hürde, die aber übersprungen werden konnte und für die kommenden Finalspiele gegen die Fribourgerinnen sehr viel Selbstvertrauen gab. Wir freuen uns auf ein spannendes Spiel und werden zu Beginn stramm stehen, wenn die Nationalhymne ertönt.