… Klassiker zum Zweiten

Liga-Cup
Markus Schwab und Matthias Keller standen sich schon 2005 gegenüber...
Markus Schwab und Matthias Keller standen sich schon 2005 gegenüber...

Richtig, das war das einzige Jahr seit 13 Jahren, in welchem sich weder der UHCevi Gossau noch die Berner Hurricanes für den Ligacupfinal qualifizieren konnten. Beide Teams stehen je zum achten Mal im Cupfinal und während die Berner den Siegespokal  bereits sechsmal   in die Höhe stemmen durften, waren es bei Gossau immerhin auch schon deren vier Mal! Und da ist es nicht mehr erstaunlich, dass sich die Canes und Gossau nicht zum ersten Mal in einem Cupfinal direkt gegenüber stehen und das Duell der beiden Titelsammler die Mutter aller Klassiker im Kleinfeldunihockey darstellt.

Blenden wir zurück: Wir schreiben das Jahr 2005. Die junge Equipe des UHCevi Gossau begann gerade die Liga aufzumischen und hatte sich völlig überraschend als haushoher Aussenseiter für das Finale qualifiziert. Die Berner auf der andern Seite hatten vor Jahresfrist das Double (Ligacupsieg und Meistertitel) verteidigt und strebten im Cup und der Meisterschaft je den klassischen Titelhattrick an. Was sollte da schiefgehen, umso mehr als dass die wackeren Zürcher Oberländer vor Jahresfrist mit einer ziemlichen Packung im Halbfinal von eben diesen Bernern aus dem Ligacup geworfen wurden.

Ob die Canes damals die Zürcher unterschätzt hatten, wissen wir heute nicht mehr. Auf jeden Fall war das Spiel überraschend ausgeglichen mit Vorteilen für den Aussenseiter. Auf beiden Seiten dominierten die Torhüter. Fabio Bisso, der heute in Schweden engagiert ist, stand  im Tor der Gossauer  und parierte unter viel anderem gleich zwei Penalties. Auf der andern Seite war es der legendäre 47er, Oli Krüger, welche die Gossauer zur Verzweiflung trieb und nur wenig zuliess. Beide Torhüter wurden folgerichtig am Ende zu Bestplayern gewählt. So stand die Partie nach Ablauf der regulären Spielzeit 7:7 und eine Verlängerung musste die Entscheidung bringen. Diese fiel dann nach einem Freistoss zugunsten der Berner und stürzte die heroisch kämpfenden Gossauer ins Tal der Tränen…  Leimbacher, Keller und die Gebrüder Widmer waren schon damals dabei, wie auf der Gegenseite Schwab. Auf ein Wiedersehen am 28. Februar 2015 darf man sich freuen.

Noch zweimal sollten sich die Wege im Ligacup kreuzen. 2009 stand man sich im Halbfinal in Rüti gegenüber und wiederum gab es das bessere Ende für die Berner, bei welchen der Schwede Uhlin in den letzten Minuten zunächst den Ausgleich zum 7:7 erzielte und 8 Sekunden vor Ende das siegbringende 8:7 markierte. Kein Wunder, dass die Berner von nun ein 8:7 zu ihrem Lieblingsresultat erhoben.
Das letzte Aufeinandertreffen im Ligacup ist wohl allen Anhängern des UHCevi Gossau noch in bester Erinnerung. Vor zwei Jahren kam es zur finalen Revanche von 2005. Die Berner standen um 7. Mal in Cupfinal und hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Final verloren. «Wir sind der FC Sion des Kleinfeldunihockeys», meinte man selbstbewusst bei den Hauptstädtern und war entsprechend zuversichtlich.  Aber dieses Mal kam es ganz anders, denn die Canes hatten nie eine Chance. Nachdem Brotschi  seine Farben noch in Führung brachte, hörten die Zürcher den Weckruf und zogen bis zur Spielhälfte auf 5:1 davon und führten auch zur zweiten Pause beim 7:3 mit einem soliden Viertorevorsprung. Bezüglich Taktik muss man den Canes bekanntlich nichts vormachen. In der Pause griffen sie tief in ihre Trickkiste, brachten einen neuen Torhüter und hatten für das letzte Drittel wohl einen ganz besonderen Gameplan. Zunächst aber mussten sie einen Strafstoss kassieren, der vom verletzten James Bücheler – für einen Penalty sollte es gerade noch gereicht haben – souverän zum 8:3 versenkt wurde. Noch durften sich die Gossauer nicht in Sicherheit wiegen, denn die Berner setzten nun ihr Vorhaben um und nach drei Toren innerhalb von gut zwei Minuten kamen sie auf 8:6 heran. Sollte es doch noch einmal spannend werden? Nein! Die Aufholjagd hatte Kraft gekostet und der Benzintank war leer. Die Zürcher setzten zur Kür an und das Endresultat von 14:6 sprach eine deutliche Sprache.  Die Revanche war geglückt.

Und so kommt es zum Showdown am letzten Februartag. Einen Favoriten auszumachen fällt auch den ausgewiesensten Experten schwer. Gegenüber dem Cupfinal von 2013 haben sich beide Mannschaften kaum verändert. Der bedeutendste Zuzug bei den Canes ist zweifellos der Ex-Internationale Marc Dysli. Mit Dieter Zimmermann konnte auf diese Saison ein weiterer Spieler mit einer SVWE-Vergangenheit engagiert werden. Auch bei den Zürcher Oberländern war man seit dem Cupfinal gegen die Canes auf dem Transfermarkt nicht untätig. Das Ustermer Ur-Gestein Thomas Hürlimann verstärkt den Titelhalter schon seit  der letzten Saison und aufs neue Jahr konnte mit Thomas Voegtli von Nuglar United ein Skorer verpflichtet werden, der weiss wie man in einem Cupfinal Tore gegen die Canes schiesst. Nicht weniger als fünf waren es, als die Solothurner vor drei Jahren  den Canes gegenüberstanden.

Beide Mannschaften haben in den vorangegangenen Cuprunden namhafte Gegner eliminiert. Gossau tat dies äusserst souverän mit einem  14:6 gegen Mümliswil und einem 16:5 gegen Lengnau, beides sichere Playoff-Teilnehmer. Nicht weniger souverän war das 14:10 gegen Blumenstein und das 13:8 gegen Cazis der Berner. Auch diese Gegner werden wir in den kommenden Playoffs wieder sehen.  Höchstwahrscheinlich werden die Berner Hurricanes in den kommenden Playoffs erstmals seit Menschengedenken nicht dabei sein. Umso gefährlicher werden sie im Cupfinal auftreten und alles daran setzen, dass

1.    sie mit dem 12. Titel (Ligacup und Meisterschaft) wieder eine Länge vor Gossau liegen würden
2.    Markus Schwab mit 12 Titeln der alleinige Rekord-Titelhalter würde und
3.    Mit dem 7. Cupsieg dieser Rekord noch eine ganze Weile bestehen bliebe

Wir sind aber überzeugt, dass die   Zürcher Oberländer dagegenhalten werden und  alles unternehmen werden, dass der Konjunktiv im obenstehenden Berner-Programm Konjunktiv bleibt… 
Der Anpfiff in der Wankdorfhalle durch Schiedsrichter Marc Preisig erfolgt um 12:30. Wer nicht direkt in Bern dabei sein kann, dem sei der Liveticker (http://www.uhcevi.zol.ch) des Zürcher Oberländer empfohlen, welcher rechtzeitig am 28. Februar aufgeschaltet wird.