Wenn wir Zürcher ins Bündnerland hochfahren, sei es zum Skifahren oder zum Playoff-Final gegen Blau-Gelb Cazis bestaunen wir regelmässig bei der Vorbeifahrt die «sieben Berge», auch Churfirsten genannt hoch über dem Walensee und haben noch selten daran gedacht, was sich hinter den «sieben Bergen» verbirgt.
«Chäserrugghinterruggschibestollzuestollbrisifrümselselun» haben wir schon in der Primarschule gelernt und waren stolz darauf, alle sieben Churfristen-Gipfel benamsen zu können. Seltsamerweise fiel es dabei niemandem auf, dass das gelernte Sprüchlein die Gipfel von rechts nach links bezeichnete und nicht wie üblicherweise abendländisch umgekehrt.
Und nun müssen wir uns für den kommenden Ligacup-Achtelfinal tatsächlich damit befassen, was denn hinter den sieben Bergen abgeht. Gut, spätestens seit Simon Ammann, weiss jedermann, dass sich dort das schöne Toggenburg befindet und die Toggenburger reichlich mit sportlichen Talenten gesegnet sind. Und wenn sie nicht als Skispringer olympische Medaillen gewinnen, lassen sie sich doch immerhin zu eidgenössischen Schwingerkönigen krönen. Aber Unihockey? Bei so zahlreichen Erfolgen auf höchster internationaler und nationaler Ebene nimmt wohl kaum einer Notiz von den Leistungen der sportlichen Toggenburger in der Randsportart Unihockey. Und dass im Toggenburg auch ganz passabel Unihockey gespielt wird, dürfte ausserhalb der Talschaft völlig ignoriert werden.
Nur, den Scouts vom UHCevi Gossau ist das natürlich nicht entgangen und die Nesslau Sharks sind spätestens seit dem sensationellen Sieg gegen den 1.-Liga-Absteiger STV Kappel auf dem Radar der Verantwortlichen. Auch die Tatsache, dass die Haie aus dem Toggenburg «nur» ein Drittligist sind, verführt den amtierenden Schweizermeister nicht dazu, diese zu unterschätzen. «... Es bleibt zu hoffen, dass dem Team auch gegen den aktuellen Kleinfeld Schweizermeister und letztjährigem Cupfinalisten Cevi Gossau eine Überraschung gelingen mag...» meint Beat Hug, einer der hungrigen Haie und zeigt damit, dass die Nesslauer alles dafür tun werden, die Sensation zu ermöglichen. Ja, die Euphorie beim Kleinfeld-Team der Nesslauer ist nach dem Ligacup-Achtelfinal Einzug so gross, dass sogar die Kollegen von der Grossfeld-Mannschaft - immerhin in der 1. Liga tätig - neidvoll auf die «Kleinen» schauen und der eine oder andere gerne bei den Kleinfeldlern mittun würde. Aber jeden nähmen sie dann auch wieder nicht, ist die Meinung beim II...
Der UHCevi Gossau auf der anderen Seite tat sich mindestens zu Beginn der vergangenen Ligacupspiele gegen die Unterklassigen Dübendorf und vor allem Schüpbach schwer, setzte sich dann aber nicht zuletzt dank der Routine der durch manchen harten Cupfight gestählten erfahrenen Cracks durch. Besonders das Spiel im Sechzehntelfinal gegen Schüpbach zehrte an den Nerven, in welchem der Underdog noch im zweiten Drittel in Führung lag.
In der Meisterschaft erlebten die Titelverteidiger mit zwei Remis einen durchzogenen, wenn nicht sogar enttäuschenden, Saison-Start. Mit dem 7:0 gegen Spreitenbach mit den sensationellen drei Boxplay-Toren und dem 3:1 Sieg im Spitzenkampf gegen Lengnau sind auch die Titelverteidiger im gewünschten Meisterschaftsrythmus angekommen, und sie werden zuversichtlich die Reise ins Toggenburg in Angriff nehmen. Die Zuversicht gründet nicht zuletzt darauf, dass man mit Haien meistens gute Erfahrungen gemacht hat, seien es die legendären Duelle gegen die White Sharks aus Sulgen in den Nuller-Jahren oder dem Playoff-Final Sieg 2008 gegen die Tiger-Sharks aus Unterkulm. Aber es waren immer äusserst umstrittene Kämpfe.
Und ein solcher Kampf wird es auch gegen die Sharks aus Nesslau sein, welche alles andere sind, als «hinter dem Berg». Denn jetzt haben wir endlich die Erklärung bezüglich «Chäserrugghinterruggschibestollzuestollbrisifrümselselun». In Nesslau gilt das Sprüchlein korrekt abendländisch von links nach rechts und die Nesslau Sharks sind definitiv vor den sieben Bergen!
Die Anhänger des UHCevi Gossau freuen sich auf die Reise ins Toggenburg und sind den Sharks dankbar, dass sie die Solothurner vom STV Kappel hinausgekegelt haben. Denn neben einem packenden Ligacup-Achtelfinal kann der Ausflug vorgängig mit einem Besuch auf dem Säntis verbunden werden und ein - gemäss Wetterprognose - wunderbarer Herbsttag auf dem höchsten Appenzeller steht bevor. Wahrlich die bessere Option als das vernebelte Aaretal...
Das Spiel beginnt um 17:30 Uhr in der Sporthalle Büelen in Nesslau.
