Am Wochenede vom 17./18. Januar werden die Ligacupfinalisten ermittelt. Während auf dem Grossfeld sich Alligatoren mit Tigern messen werden, sind für das finale Duell auf dem Kleinfeld noch zwei tierisch spannende Auseinandersetzungen auszutragen. Am Samstag treffen in der Feriendestination Flims - Schulhaus Surmir, 13:30 Uhr - die Steinböcke von Blau-Gelb Cazis auf die Berner Bären der Hurricanes oder in anderen Worten: der Vizemeister und Cuphalbfinalist von 2014 auf den fünfachen Schweizermeister und gar sechsfachen Ligacupsieger. Würde man nur auf die in der Vergangenheit erworbenen Lorbeeren achten, müsste man die Favoritenrolle klar bei den Hauptstädter ansiedeln. Andrerseits waren die Bündner noch nie so nahe an einem Titel wie letztes Jahr, als ihnen nur noch kleine rote Fischotter vom UHCevi Gossau vor der Sonne standen Mit dem Transfer der Muotathaler Wetterfrösche Bykow und Chomutow, äh sorry, Wyler und Betschart gelang ihnen ein veritabler Transfercoup. Diese beiden brillanten Klassespieler waren nach dem Abstieg vom UHC KTV Muotathal heimatlos geworden und dürfen nun bei Cazis in der obersten Spielklasse ihr Können zeigen. Zudem wissen beide, wie man einen Cupfinal gewinnt, waren es doch Wyler und Betschart die 2011 im Cupfinal den UHCevi Gossau in den letzten 100 Sekunden der Partie abschossen. Diese Niederlage schmerzte die Zürcher noch lange und verhinderte damals das Double bei Damen und Herren. Es wäre aber falsch, die Bündner auf die beiden Neuzugänge zu reduzieren, ganz im Gegenteil. Mit Ilmer und Mathis stiessen zwei ehemalige Grossfeldspieler zu den Blau-Gelben, um ein bereits schon breites und kompetitives Kader mit dem Ex-Internationalen Adrian Capatt and er Spitze noch zu verstärken.
Die Berner Hurricanes näher vorzustellen, wäre Wasser in die Aare getragen. Der Rekord-Cupsieger mit sechs Titeln wurde schon seit einigen Jahren von den Experten totgesagt, aber wie heisst es doch so schön über die totgesagten? Eben, man hängte halt jedes Jahr noch ein weiteres an, konnte beim SV Wiler/Ersigen den einen oder anderen überzeugen - dieses Jahr Marc Dysli - , seine Unihockeykarriere im weniger trainigsintensiven Kleinfeld ausklingen zu lassen und wenn man trotz allem noch vorne mitspielen kann, warum sollte man nicht. Und ein klein bisschen Ehrgeiz ist eben auch noch vorhanden, denn das Gewinnen von Titeln hat ein gewisses Suchtpotential. Fünf Meistertitel und sechs Ligacupsiege sind es bis heute geworden und als einziger bei allen - auch beim ersten Ligacupsieg 1997 - dabei war der legendäre Markus Schwab. Neben seinem ausserordentlichen Torriecher fiel der lange Schwab auch dadurch auf, dass er vor wichtigen Partien seiner Berner Hurricanes die entsprechenden Gegner in der ganzen Schweiz studierte und auf entsprechende Fragen immer zur Antwort gab, dass er nur zufällig anwesend wäre, da er gerade eine Tante besucht hätte, die ganz in der Nähe zu Hause wäre... Nach dem Rücktritt des ebenso legendären 47ers alias Oli Krüger, wollten die Experten wissen, dass den Canes die Seele für weitere Erfolge fehlen würde. Die Rolle des Denkers und Lenkers hat aber mittlerweile der Ex-Internationale Reto Luginbühl übernommen und nicht nur seine Torriecherqualitäten auch seine Spielübersicht sind auch heute noch überragend.
Einen Favoriten auszumachen ist kaum möglich. Wie die Steinböcke mit Bären umgehen können ist spätesten seit M23 bekannt. Andrerseits steht in der bisherigen Bilanz Cazis gegen Canes eine 0 auf Seite der Blau-Gelben. Einmal wollten die Cazner schlau und hinterhältig wie das Wolfsrudel vom Calanda sein, die kleinen roten Otter waren damals aber schlauer, aber Bären sind bekanntlich keine Otter... Wir freuen uns also auf einen tierisch spannenden Ligacuphalbfinal. Dompteurin wird die cupfinalerprobte Anna Strähl sein.
Nur 25 Stunden später wird der zweite Halbfinal durch den bewährten und routinierten Schiedsrichter Preisig angepfiffen. Die kleinen roten Fischotter aus Gossau treffen auf die stolzen weissen Pferde aus Lengnau. Die sieggewohnten Gossauer haben gegen keinen Gegner - abgesehen von den Canes - in entscheidenden Partien öfters verloren, als gegen die Aargauer. Diese waren es, die in den letzten 13(!) Jahren wenigstens einmal den Siegeszug in der Meisterschaft der Canes und Gossau wenigstens einmal unterbrechen konnten. Schon 2010 erzwangen sie mit einem Sudden Death Treffer von Valentin Müller eine Belle, in welcher sich die Zürcher schadlos halten konnten. Zwei Jahre später war es wieder Valentin Müller, der erneut in der Overtime traf und Gossau ins Elend stürzte, da die Aargauer im Rückspiel in Endingen nichts mehr anbrennen liessen.
Lengnau hatte in dieser Saison zunächst Mühe auf Touren zu kommen. Die Neuzugänge vom Grossfeld mussten sich zunächst an das kleine Feld gewöhnen und die White Horses glichen eher gewöhnlichen Arbeitspferden. Aber gerade rechtzeitig aufs Neue Jahr haben sie in der letzten Meisterschaftsrunde vor dem Halbfinal sehr überzeugt. Sie sind auf sicherem Playoff-Kurs und am nächsten Sonntag werden es die Zürcher Oberländer eher mit temperamentvollen Lippizaner zu tun haben als mit lahmen Ackergäulen.
Die Gossauer sind gut in die Meisterschaft gestartet und gewannen alle Vorrundenspiele. Ein kleines Zwischentief - auch aufgrund von Verletzungen - vor Weihnachten waren für zwei Niederlagen verantwortlich. Trotzdem führen die Zürcher Oberländer ihre Gruppe an und haben die Playoff-Qualifikation praktisch sichergestellt. Sie sind zudem im Ligacup die Titelverteidiger und werden alles daran setzen, die Voraussetzungen zu schaffen, um am 28.Februar in der Wankdorfhalle aufzulaufen. Auch diese Partie wird stark umstritten sein, eine Favoritenrolle nur schwer auszumachen. Gut möglich, dass die kleinen roten Fischotter gegen die mächtigen weissen Pferde einen Vorteil im eigenen Gewässer haben werden. Wir hoffen es jedenfalls. Anpfiff ist am Sonntagnachmittag in der Berufsschule Uster um 14:30 Uhr.
