Mittlerweile haben sich jedoch die Stärkeverhältnisse ziemlich einseitig zugunsten der Bündner verschoben, sodass im kommenden Ligacup-Halbfinal mehr von einem Kampf David gegen Goliath die Rede sein wird als von einem absoluten Spitzenkampf mit ungewissem Ausgang. Blau-Gelb Cazis hatte sich sukzessive mit ehemaligen Nati-Spielern (Dominioni, Hitz, Regi etc.) verstärkt und hatte kaum Abgänge zu beklagen, sodass das Kader auch im dritten und vierten Block noch Qualitäten besitzt, bei welchen ein grosser Teil der Konkurrenz nicht einmal mit ihrer Paradelinie Schritt halten können. Wie und vor allem wer kann diese gut geölte Maschinerie bremsen?
Die Frage stellte sich auch das Fachmagazin unihockey.ch zu Beginn der Saison 2019/20 und kam zum Schluss, dass bestenfalls die Giftschlangen von der Alp Flix in der Garderobe der Bündner für Angst und Schrecken sorgen könnten. Da das Spiel aber am 11. Januar 2020 stattfinden wird, ist taugt sogar dieses Mittel nicht, da sich die ominösen Schlangen in der Winterstarre befinden...
Bei der Saison-Zwischenbilanz hat dann unser Lieblingsmagazin immerhin einen Lösungsansatz präsentiert und meinte, dass nicht Giftschlangen aber Weisse Pferde die Lösung sein könnten. Genau, White Horse Lengnau schaffte das Kunststück, den Bündnern die bisher einzige Saison-Niederlage zuzufügen. Daneben gelang es emotion Hinwil und dem erstaunlichen Wehntal-Regensdorf dem Branchenprimus ein Unentschieden abzutrotzen. Daraus aber ein Schwächzeichen der Heinzenberger abzuleiten wäre aber komplett falsch. Ohne die Leistungen der erwähnten Teams herabstufen zu wollen, ist doch zu beachten, dass Cazis in der Regular-Season - salopp ausgedrückt auf der Ochsentour - mit Rumpftruppen unterwegs sind und die grossen Tenöre erst gemeinsam ans Werk gehen, wenn die wirklich grossen Spiele anstehen. Unter diesem Aspekt sind die beiden letzten Ligacuprunden zu sehen, als die Steinböcke Wiler-Ersigen - auch eine Team, das vor allem auf die Stärke von Altinternationalen setzt - mit 20:10 und den vierfachen Ligacup-Finalisten Nuglar-United mit 23:6 abwatschten. Zweifellos ist auch im Halbfinal mit dem «Grosse-Spiele-Cazis» und nicht mit dem «Ochsentour-Cazis» zu rechnen.
Und was haben die Gossauer dieser geballten Kraft entgegenzusetzen? Immerhin haben sich die Zürcher Oberländer nach einem katastrophalen Saisonstart deutlich gesteigert und zeigen ganz klar aufsteigenden Tendenz. Die Mannschaft hinterliess in den letzten Spielen einen durchaus soliden Eindruck, war effizient in der Offensive und hat die Fehlerquote in der Defensive massiv verkleinert. Wenn die Feuerkraft von saisonübergreifend über 2000 Skorerpunkte durch Rücktritte verloren gingen, waren die Verantwortlichen gezwungen, der Defensive besondere Beachtung zu schenken. Denn bei soviel Offensiv-Power konnte man es sich in der Vergangenheit ohne weiteres leisten, einmal ein paar Tore zu kassieren, um diese umgehend wieder wettzumachen. Aber reicht das, um die hohe Hürde Cazis zu überspringen? «Wir müssen uns schon noch etwas einfallen lassen», meinte Gossaus Topskorer nachdenklich.
Zum Beispiel wie die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft in Neuchâtel gegen Finnland. Die Ausgangslage für die Schweizerinnen war gegen den turmhohen Favoriten aus dem hohen Norden ziemlich ähnlich und den Ausgang der Partie kennen wir.
Und wie war das mit der Geschichte bei David und Goliath?
Ligacup-Halbfinal
UHCevi Gossau vs. Blau-Gelb Cazis
11. Januar 2020, 15:00 Uhr
Gew. Berufsschule Wydum, Wetzikon ZH

