Bern - wir kommen!

Liga-Cup
Bern wir kommen. 9:7 gegen UH Berner Oberland. (Bild Osi Weiss)

Amtierender und Rekordschweizermeister gegen 3.-Ligisten! Alles klar? Sind noch Fragen? So mochte der unvoreingenommene UHCevi Gossau Fan vor dem Ligacup-Halbfinale gedacht haben. Aber die Recherchen über die Gegnerinnen aus dem Berner Oberland ergaben dann ein ganz anderes Bild. Das «Damen drü» von Unihockey Berner Oberland setzt sich aus ehemaligen NLA-Spielern zusammen, welche eine ganze Menge Routine mitbrachten, auch wenn die vom Grossfeld stammte. Die Kleinfeldequipe wurde vor noch nicht allzu langer Zeit gegründet und muss deshalb den ganzen Weg von unten bis oben durchlaufen. Es besteht kaum Zweifel, dass am Ende der Saison der Aufstieg in die zweite Liga geschafft sein wird und in der Spielzeit 2017/18 die 1.-Liga Gruppe 1 aufgemischt wird.

So klar war also die Angelegenheit gar nicht, auch wenn die selbsternannten Aussenseiterinnen die Favoritenrolle noch so gerne den Zürcherinnen zuschoben, sich aber trotzdem sehr selbstbewusst den Cupfinal als Ziel setzten. Ein Ziel, das nicht unbedingt utopisch sein musste.

Das Spiel schien gleich zu Beginn in die richtigen Bahnen gelenkt zu werden, als nach gut einer Minute Captain Chrigi Koller auf Pass von Andrea Eglauf traf. Das Tor gab Sicherheit und der UHCevi Gossau war zunächst Chef auf dem Platz, auch wenn keine weiteren Treffer folgten. Der Frieden währte aber nicht lange, denn die Bernerinnen glichen aus. «Ein Betriebsunfall», dachten die Zürcher Anhänger, umso mehr, als Lara Guillod ihre Farben kurz darauf erneut in Führung brachte. Aber die Bernerinnen waren nun auch im Spiel angekommen, und es entwickelte sich eine ziemlich zähe Partie mit grossem physischen Einsatz und Chancen hüben wie drüben. Ein Knaller an den Innenpfosten von Benji Bolliger und auf der anderen Seite ein Big Save von Sandra Dähler waren die grössten davon. Zählbares gab es dann erst wieder kurz vor der ersten Drittelspause mit dem verdienten Ausgleichstreffer.

Die Gossauerinnne hatten zwar etwas mehr Ballbesitz, taten sich aber ziemlich schwer mit dem aggresiven Forechecking der Bernerinnen, das meistens mit zwei Spielerinnen betrieben wurde. Coach Leimbacher wird das sicher in der Pause angesprochen haben.

Im zweiten Drittel änderte sich am Spiel nicht viel. Nach wie vor mussten die Torfrauen zahlreiche Knaller abwehren und wenn sie einmal geschlagen waren, rettete das Gestänge. Kurz nach Hälfte des Spiels war dank Lara Guillod die Führung wieder in Zürcher Hände, die dann sogar zum ersten Mal in diesem Spiel auf zwei Tore ausgebaut werden konnte. Sharon Ulrich traf nach einem genauen Pass von Lara Guillod. Mit 4:2 war dann der zweite Pausenkaffee angesagt. Immerhin zwei Tore Vorsprung, aber der Mist war noch lange nicht geführt und in Sicherheit durfte man sich noch lange nicht wähnen, auch wenn das physische Spiel der Bernerinnen mit nur gut zwei Blöcken bestimmt Kraft gekostet hatte. Aber auf ein Nachlassen der Gastmannschaft durfte man nicht unbedingt zählen.

Aber genau diesen Eindruck hatte man dann zu Beginn des letzten Drittels. Nach drei Minuten war Pia Heller für das 5:2 verantwortlich und weitere zwei Minuten später markierte Nina Brecher mit einem Sololauf über das ganze Feld das 6:2. Dies bewog den Coach der Bernerinnen sein Timeout zu nehmen. Dies zeigte aber nicht sofort Wirkung, denn im Gegenteil, Tabea Arnold setzte noch einen obendrauf zum 7:2, gut zehn Minuten vor Schluss und es schien damit so etwas wie eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Dieser Meinung waren die Aussenseiterinnen jedoch nicht. Mit einem Doppelschlag verkürzten sie auf 7:4 und die Spannung kam zurück. Mit dem 8:4 von Lara Guillod wurden dann die Nerven der Zürcher für zwei Minuten beruhigt, bevor dann das 8:5 wieder hingenommen werden musste. Noch waren gut zwei Minuten zu spielen, als der untadelige Schiedsrichter Ramseier Nina Brecher wegen Stockschlag in die Kühlbox schickte. Die Spannung war nun definitiv zurück. UH Berner Oberland nahm nun die Torfrau heraus und stürmte mit vier Spielerinnen gegen die zwei verteidigenden Gossauerinnen an. Diese wehrten sich zwar heroisch, aber 51 Sekunden vor der Sirene mussten sie das 8:6 kassieren. Jetzt hatten die Bernerinnen Blut gerochen, beim anschliessenden Bully machte die Torfrau einer vierten Feldspielerin Platz, Sharon Ulrich hielt beim Bully dagegen und dann spickte der Ball ins leere Tor. Ein Slapsticktor, an dem nicht alle die gleiche Freude hatten. Damit war die Entscheidung gefallen, auch wenn 13 Sekunden vor Schluss den Bernerinnen noch Resultatkosmetik gelang.

Der fünfte Einzug in den Cupfinal in der Clubgeschichte der UHCevi Gossau Damen war damit geschafft. Das vorausgesagte enge und spannende Spiel haben wir gesehen, und trotzdem ist eine Leistungssteigerung unumgänglich, wenn der Kübel zum dritten Mal ins Zürcher Oberland entführt werden soll. Im Final warten nämlich die Red Devils March-Höfe Altendorf. Gegen diese Gegnerinnen hat man noch eine Rechnung offen, denn vor zwei Jahren verhinderten eben diese Teufelinnen den Gossauerinnen den Einzug in den Cupfinal. 6:10 verloren die Zürcherinnen damals, obwohl sie nach zwei Dritteln noch mit 6:3 geführt hatten. Das war seit 2011 das einzige Mal, dass den Zürcherinnen der Einzug in den Cupfinal verwehrt wurde! 

Weitere Fotos von Christian Nüssli

UHCevi Gossau – Unihockey Berner Oberland 9:7 (2:2, 2:0, 5:5)
Rosriet, Rüti ZH. – 150 Zuschauer. – SR M. Ramseier.
Tore: 01:18 Koller (Eglauf) 1:0, 05:08 Gerber 1:1, 06:54 Guillod (Heller) 2:1, 19:08 Schäfer (Reusser-Haussener) 2:2;
31:01 Guillod 3:2, 36:03 Ulrich (Guillod) 4:2;
43:20 Heller (Ulrich) 5:2, 45:06 Brecher 6:2, 48:26 Arnold 7:2, 50:04 Gerber 7:3, 51:48 Schäfer (Thöni) 7:4, 53:20 Guillod (Heller) 8:4, 55:23 Gerber (Haldemann) 8:5, 59:09 Thöni (Egli) 8:6 (PP), 59:11 Ulrich 9:6, 59;47 Egli 9:7.
Strafen: UHCevi Gossau 1-mal 2 Minuten, Berner Oberland keine Strafen.
UHCevi Gossau: Bolliger #21; Tanner #39, Koller #17, Eglauf #40; Guillod #9, Ulrich #41, Heller #12; Egli #37, Brecher #14, Herrmann #18; Arnold #19.
Bemerkungen: UHCevi Gossau ohne Seitz #73, Stettbacher #11, Marty #23 (überzählig). 45:06 Timeout Berner Oberland. Bestplayer Sandra Dähler (BO), Lara Guillod (Gossau)